Wissenstransfer und Begegnungen in Ruanda
Mehr als ein Bauprojekt
Im Februar 2026 reiste unser Team nach Ruanda, um gemeinsam mit einer Gruppe motivierter junger Menschen und Handwerker ein dreifaches Carport zu planen, abzubinden und aufzubauen. Ziel war es, handwerkliches Wissen zu vermitteln, das Fähigkeiten stärkt und Perspektiven eröffnet – und wir können sagen: Dieses Ziel haben wir erreicht und dabei für uns selbst unglaublich viel mitgenommen.
Die Idee zu diesem Projekt begleitet die Zimmerei bereits seit ihrer Gründung. Für Geschäftsführer Aron Bucher war es von Anfang an wichtig, mit dem Handwerk auch einen gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen. Durch frühere Hilfseinsätze und den Kontakt zu einer engagierten Person aus dem Nachbarort, die bereits ein Projekt in Ruanda initiiert hatte, entstand schließlich die Verbindung nach Ostafrika.
Lernen durch Praxis: Hilfe zur Selbsthilfe
Vor Ort arbeiteten wir mit der Schreinerei WoodTec zusammen. Das Unternehmen möchte den Bereich Holzbau weiterentwickeln, da dort bisher vor allem Möbel hergestellt wurden. Einen klassischen Zimmererberuf, wie wir ihn aus Deutschland kennen, gibt es in Ruanda kaum. Deshalb standen neben dem praktischen Bau des Carports vor allem Schulungen zu Holzarten, Vermessung, Statik und traditionellen Holzverbindungen auf dem Programm. Das Carport diente dabei als Anschauungs- und Übungsobjekt. Die Konstruktion wurde bereits in Deutschland geplant, die erforderlichen Holzdimensionen im Vorfeld abgestimmt und anschließend gemeinsam mit acht ruandischen Schreinern umgesetzt. Der Leitgedanke dabei war stets: Hilfe zur Selbsthilfe.
Jeder Tag begann mit theoretischen Einführungen, gefolgt von der praktischen Arbeit mit Rohholz, Werkzeugen und traditionellen Verbindungen. So wuchs nicht nur das Carport, sondern auch das Selbstvertrauen der Teilnehmer. Die Qualität und Geschwindigkeit, mit der die Gruppe das vermittelte Wissen umsetzte, hat uns extrem beeindruckt. Besonders erfreulich war zu sehen, wie schnell die Handwerker neue Techniken aufnahmen und eigenständig anwendeten.
Holzbau unter anderen Voraussetzungen
Auch fachlich bot das Projekt spannende Einblicke. Während im deutschen Holzbau Schneelasten und umfangreiche Normen eine wichtige Rolle spielen, gelten in Ruanda andere Voraussetzungen. Verarbeitet wurden beispielsweise Kiefer und Eukalyptus, die vor Ort verfügbar sind. Trotz ihres teils hohen Harzgehalts eigneten sich die Hölzer gut für die Konstruktion. Da es dort bislang nur wenige Betriebe gibt, die sich im Land auf den Holzhausbau spezialisieren, gehört WoodTec zu den Vorreitern dieser Entwicklung. Gleichzeitig fehlen bislang viele technische Standards und Normierungen, was die weitere Verbreitung des Holzbaus erschwert.
Nachhaltigkeit als gelebte Verantwortung
Nachhaltigkeit besitzt in Ruanda einen hohen Stellenwert. Das Land gilt als außergewöhnlich grün und legt großen Wert auf Umweltschutz. Maßnahmen wie das bereits seit vielen Jahren bestehende Plastikverbot zeigen, wie fortschrittlich das Thema Nachhaltigkeit dort verfolgt wird. Auch deshalb bietet der nachwachsende Baustoff Holz großes Potenzial für die Zukunft.
Neben den fachlichen Erfahrungen bleiben vor allem die Begegnungen in Erinnerung. Aron Bucher zeigte sich besonders beeindruckt von der Sauberkeit, Sicherheit und Fortschrittlichkeit des Landes. Auch der starke gesellschaftliche Zusammenhalt, der sich beispielsweise in gemeinschaftlichen Aktionstagen (Community Days) widerspiegelt, hinterließ einen bleibenden Eindruck.
Eindrücke, die bleiben
Für Mitarbeiter Johannes Bülte war es die erste Reise nach Afrika. Besonders überrascht haben ihn die grüne Landschaft, die vielerorts an europäische Regionen erinnert, sowie die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen. Die junge Bevölkerung und der spürbare Wille zur Weiterentwicklung machten die Reise für ihn zu einer besonderen Erfahrung.
Der Tagesablauf war intensiv, wurde aber immer wieder durch Begegnungen, Austausch und kleine Ausflüge bereichert – etwa an einen der vielen klaren Seen oder auf eine Safari. Ruanda hat uns mit seiner Herzlichkeit, seiner beeindruckenden Natur und dem Engagement seiner Menschen begeistert.
Für uns steht fest: Handwerk verbindet Menschen über Ländergrenzen hinweg, schafft Perspektiven und baut Brücken. Dieses Projekt hat gezeigt, wie viel Wissenstransfer und gegenseitiges Lernen bewirken können – beruflich, menschlich und persönlich. Wir würden jederzeit wieder nach Ruanda reisen, um unser Wissen weiterzugeben und gemeinsam neue Projekte zu verwirklichen.











